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Eigentlich sollte es nur ein kurzer Segeltag werden, aber es ging gegen an und deshalb wurden es viel mehr Seemeilen als angedacht. Außerdem wurde es einer der dramatischsten Tage die ich bisher erlebt hatte.
Am Morgen bei der Skipperbesprechung haben wir uns zuerst über unser Tagesziel unterhalten. Telascica mit dem Salzsee Mir. Deutlich ruhiger, da dort keine Konoba ist und deshalb kein Generator brummt, sind die westlich Bojen hinter einer kleinen „Landzunge“ liegend. Leider sind dort nur 7-8 Bojen und wahrscheinlich nicht genug Platz für alle. Der Nachteil ist, dass man mit dem Dingi einfach länger zum Salzsee fahren muss. Der Salzsee ist in den Sommermonaten herrlich warm und der Salzgehalt ist so hoch, dass man sich richtig leicht im Wasser fühlt. Gut für mich 🙂
Jedoch darf man nicht vor 16.00 Uhr dort aufschlagen. Viele Ausflugsboote mit Touristen aus Zadar, Biograd und Vodice liegen dort. Es ist laut und total überfüllt. Aber dann, als wenn jemand ins Horn bläst, sind plötzlich alle weg und die Ruhe ist phantastisch. Wenn man ganz still ist hört man überall Winnetou und die Apachen…
Hier am Salzsee wurde damals „Der Schatz im Silbersee“ gedreht und deshalb ist der See sicherlich auch so berühmt geworden.
Aber es gibt auf dem Weg dorthin noch eine andere Sehenswürdigkeit. Quasi auf der anderen Seite des Bergrückens liegt die offene Adria und die Felsen ragen dort von 60m – 80m Höhe als Steilküste hinauf. Als wenn jemand mit dem Messer ein Stückchen abgeschnitten hätte kann man ganz dicht an der Küste entlang segeln.
Atemberaubend schön, auf der einen Seite das offene Meer und auf der anderen Seite die unglaublich hohen Felsen.
Aber bis dahin mussten wir erst noch segeln, weit war es eigentlich nicht aber wir mussten wieder einmal gegenan. Ich empfahl jeden Skippern noch, bis fast zum Schluss in die Bucht zu segeln, denn die Fallwinde sind super interessant und machen wirklich Spaß zu segeln. Dort böt der Wind innerhalb von Sekunden zwischen 1 Bft und 5 Bft. Das ist schon klasse wenn sich das Boot durch den Wind plötzlich auf die Seite legt und dann ordentlich Fahrt aufnimmt und dann im nächsten Augenblick  wieder nachlässt, bis 1 Minute später das gleich Spiel wieder von vorne beginnt. Wer noch nicht seine Flaschenpost weg geworfen hatte konnte das heute an der Kreuzung auch noch erledigen und so starteten wir nach dem Frühstück wieder.
Vorher bekam ich noch einmal etwas „Blutdruck“. Ein zweibeiniges Lebewesen der bekannten Gattung „Motorboot Fahrer“ und zu dem noch aus dem Südeuropäischen Nachbarland, ja die mit der lustigen Nationalhymne, brachte meine Emotionen mal wieder zum überkochen. Jeder der meine diplomatische Ader kennt weiß das so etwas ziemlich lange dauert, doch hier musste ich einschreiten.
In der Marina gibt es so wenig Wasser, dass nur morgens zwischen 8.00 Uhr und 12.00 Uhr der Wasservorrat auf den Booten aufgefüllt werden darf. Überflüssig zu sagen dass für ca. 30 Boote nur 4 Zapfstellen zur Verfügung standen und dass auch hier das Wasser mit einem Tankschiff angefahren werden muss. Aber der MOBO Fahrer mit der lustigen Hymne wusch fröhlich und pfeifend sein Boot. Die meisten der umstehenden Menschen schauten nur ungläubig mit offenem Mund, ich setzte dann aber auf Diplomatie. Er hat dann auch ziemlich schnell verstanden was ich meinte und ohne das ich die Sprache mit der lustigen Nationalhymne konnte. 🙂
Als wir die Marina verlassen hatten sind wir dann noch einmal an den Felsen des „Hausberg“ der Marina, auf den wir in der Nacht zuvor geklettert waren vorbei gefahren. Ganz bestimmt ein Paradies für Taucher denn dort waren viele Boote die ihre Kunden zum tauchen absetzten.
Wir segelten dann hoch bis vor die Steilküste Dugi Otoks, so heißt die Insel mit dem Salzsee „Mir“ und dann vor dem Wind in die sehr langezogene Fjord ähnliche Bucht.
Wie weiter oben schon beschrieben am Wind mit tollen Böen.
Plötzlich etwa eine Kabellänge vor uns eine kleiner Yacht mit schlagenden Vorsegel eine Frau steht hinten auf der Badeplattform, zieht ihr T-Shirt aus und springt ins Wasser. „Heh??? Was macht die da“, war meine Frage in die Runde. Wir kamen näher und zeigte dann auf den Bootshaken der im Wasser trieb. Achso, klar die haben den Haken verloren.
Und alle machten wieder das was sie vorher getan hatten.
„HALLO“, rief ich in die Runde. „Merkt ihr es noch? Seht ihr nicht was da los ist?“. Jetzt ging alles ganz schnell. Ich rief: „Klar zur Wende, Re. Nach der Wende Genua einholen und dann Groß los, um Groß zu bergen!“. Und während das Genua eingeholt wurde startete ich schon den Motor.
Ein großes lob ein meine Mannschaft, die Segel waren nach nicht einmal einer Minute eingeholt und wir waren auf dem Weg zurück.
Aber weshalb werdet ihr euch Fragen?
Wie ich beschrieben hatte ist die Frau ins Wasser gesprungen. Der Mann stand am Steuer und die beiden Kinder versuchten irgendetwas mit dem Segel zu machen.
Während die Frau schon am Bootshaken war wendete der Mann und versuchte seine Frau irgendwie bei halben Wind (denkt an die Böen) und dicht geholtem Groß an Bord zu bekommen. Das war von vornherein zum Scheitern verurteilt, zusätzlich war noch ein wenig Welle dabei, so hätte er seiner Frau noch mit dem Boot auf den Kopf stampfen können. Selbst nach drei Anläufen schwamm die Frau immer noch im Wasser. „Everything is Ok, no Problem!“ waren dann seine Worte, als wir in die Nähe kamen. Ich rief zurück: „Ok, but we stay here and wait if you need assistance“. Endlich hatte er dann die Ruhe um seine Segel einzuholen, wobei das ganze Dilemma wahrscheinlich durch das nicht aufzurollende Genuasegel zustande kam. Unter Motor hat er dann die Frau wieder aufnehmen können.
Allen an Bord verinnerlichte ich noch einmal, wie gefährlich das von Bord gehen in solchen Situationen ist. Die Adria ist warm und dann sind 15 Min. schwimmen kein Problem. Aber schon 10°C kälter wie es in der Ostsee auch im Sommer üblich ist, kann schon lebensbedrohlich sein. Dazu vielleicht  Wellen und das man eine Person schon nach kurzer Zeit nicht mehr sehen kann reichen um den Tod eines Crewmitgliedes zu betrauern.
Wir sind dann in das Bojenfeld, leider nicht alle zusammen, die einzelnen Plätze waren zu weit auseinander und einige von uns trafen uns dann am Salzsee „Mir“ um zu baden.
Den Rest des Abends wurde eigentlich nur noch über das gefährliche Manöver vom Nachmittag gesprochen.
Wie wohl die Ehe der beiden, wenn sie verheiratet waren, weiter geführt wurde. Wenn er ihr gesagt hat: „Spring hinterher und hol den Bootshaken“?
Ich denke die war ziemlich sauer und das zu Recht 😮

Viele Grüße Kai

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